O nein, hörte ich seine eindringliche, etwas unpersönliche Stimme, bitte keinen Espresso. Kaffee, Milchkaffee! Die weibliche Barrista neckt ihn und fragt, warum er denn nicht mal was anderes möchte. Warum nicht mal ganz anders und verrückt in den Tag starten? Das wäre doch was! In ihren Worten schwang dabei soviel Begeisterung mit und ihre Stimme klang so richtig verheissungsvoll und leicht verwegen. Der sehr konservativ aussehende Gast meinte daraufhin etwas ernüchtert, da reiche wohl nicht eine andere Art von Kaffee als Auslöser. Ja, das glaubte ich in seinem Fall auch...
Ich kam nicht umhin, mir das Gespräch bin zum Ende anzuhören. Gebannt lauschte ich diesem äusserst interessanten Dialog, der mir nicht mehr aus dem Kopf ging.
Warum, ja warum sollte nicht diese kleine Entscheidung am Morgen gegen die alltägliche Gewohnheit ausreichen, um uns tatsächlich wieder besser, ein klein wenig beschwingter oder einfach grossartiger zu fühlen und unser Inneres zu bereichern? Eine kleine, sichere und unverfängliche Entscheidung müsste doch ausreichen. Warum sind es denn immer weitreichende, risikoreiche Ideen die uns anders fühlen lassen? Brauchen wir den Radikal-Schritt, der nicht selten Ärgeres statt Besseres mit sich bringt? Muss der Mensch Veränderungen wirklich im Grossen erleben, um sie wahrzunehmen? Haben wir verlernt, auf die kleinen, subtilen Botschaften zu hören?
Meine nächste Bestellung steht fest. 1 x Espresso bitte...
© Yvonne Kunz, 2008