Kürzlich weckte ein ausserordentlicher Zeitungsartikel mein Interesse. In Teufen soll es eine Firma geben, von drei Geschwistern gegründet, mit dem Ziel Kaviar zu verkaufen. Spannend, dachte ich mir, und las weiter. Tatsächlich wurde die Geschäftsidee dieser initiativen Drei immer aussergewöhnlicher, da es sich nicht um den uns bekannten „normalen“ Kaviar handelte, den jeder schon mal irgendwo zu probieren bekam, nein diese drei jungen Leute hatten eine wahrlich geniale Idee und schafften sich damit ein Sprungbrett in die Welt des höchst exklusiven Genusses. Ihr erstklassiger Oscietra Flor de Sal Malassol Kaviar stammt von ausgewählten Stören aus einem Naturreservat aus Uruguay. Mit Wasser von Patagonischen Gletschern und portugiesischem Flor de Sal wird er zur unvergesslichen Delikatesse veredelt. Nun war ich aber wirklich neugierig und hatte das Glück, kurz darauf einen der Geschwister, Alexander Zwyer, zu treffen. Spontan lud er mich ein, ihn in seinem Domizil in Teufen zu besuchen, um dort seinen Kaviar zu probieren. Ich konnte mein Glück kaum fassen und sagte natürlich begeistert zu.
Der „Kaviar-Tag“ rückte näher, dann war es soweit. Wir stiegen ins Auto und fuhren zur Adresse. Mein Mann entdeckte schliesslich das Zwyer Caviar-Schild, ja hier waren wir richtig. Ich klingelte und kurz darauf begrüsste uns Alexander mit sympathischem Lächeln und bat uns freundschaftlich ins Innere. Da hing ein grosses, ungewöhnliches Bild einer uruguayischen Störzucht an der Wand, da stand ein grosser Tisch mit bequemen Stühlen, in die wir uns behaglich niederliessen. Ich entdeckte ausserdem einen kleinen edlen Kühlschrank mit trendiger Glasfront, in dem sich der legendäre Kaviar Dose für Dose stapelte. Hier waren wir also, im Reich der exklusiven Genüsse. Gespannt warteten wir, was nun passiert.
Alexander kam mit einer eisgekühlten Flasche hochreinen Wodkas herein und schenkte uns davon ein. Hhmm... wirklich lecker! Dass es erst kurz nach 12.00 war, übersahen wir grosszügig und dachten erstmal an jetzt und den uns bevorstehenden Genuss. Was kümmert uns der Nachmittag mit seinen Verpflichtungen...
Alexander sass uns gegenüber mit kurzärmeligen Zwyer Caviar T-Shirt, und wer sich über diese Kleidung im Winter wundert, erkennt nach kurzer Zeit dass dieser Mensch eine Energie inne hat, von der man gerne etwas abhaben möchte. Mit Lebendigkeit, ansteckendem Enthusiasmus und höchster Sachkenntnis wurden wir eingeweiht in die Welt der Störzucht und ich erkannte, dass sich hier Perfektionisten mit einem der empfindlichsten Lebewesen politisch sowie ökologisch auseinandersetzen und den Stören und deren Züchtern höchsten Respekt entgegenbringen. Man spürte eine authentische, echte Begeisterung, die den Raum und auch uns erfüllte. Dieser Mann hat eine unglaubliche Aura, und in diesem Moment würde man ihm einfach alles glauben. Wir erfuhren, dass nicht immer der frischeste Kaviar der beste ist. Im Gegenteil, je älter, desto gelagerter und somit aromatischer. Achten Sie mal darauf, wenn Sie das nächste mal beim Kauf das Datum kontrollieren. Ausserdem essen echte Kaviar-Kenner den Kaviar pur, oder höchstens mit Blinis oder gekochten Kartoffeln, die jedoch nur lauwarm sein sollten. Als Hauptgang rechnet man pro Person ca. 50 Gramm.
Wir erfuhren ausserdem, dass Kaviar sogar gesund ist, da er einen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren beinhaltet. Mayonnaise und fettige Aufstriche sind tabu, ebenso Silberlöffel und anderes Metallbesteck. Kaviar sollte zwischen minus 3 und plus 3 Grad gelagert werden. Zur Kaviar-Degustation wird Wodka empfohlen. Der Kaviar wird mit dem Löffel (Perlmutt, Horn) auf den Handrücken (geruchneutralste Stelle) aufgetragen und von dort degustiert. Dabei sollte der Kaviar sanft mit der Zunge gegen den Gaumen gedrückt werden.
Nun waren wir also bestens mit wertvollen Informationen versorgt und begannen mit der Degustation. Vor uns standen zwei matt glänzende Tabletts, auf denen nun je eine Dose Kaviar zelebriert wurde. Mit dem Spezial-Löffel mischte Alexander den Kaviar sorgfältig untereinander und klärte uns über die Notwendigkeit dieser Massnahme auf. Sobald der Kaviar in die Dose gefüllt ist, wird er regelmässig umgedreht, damit sich die entstehende Flüssigkeit gleichmässig in der Dose verteilen kann.
Wir löffelten also vom ersten Kaviar etwas heraus und strichen ihn wie gelernt auf den Handrücken. Dann verglichen wir ihn mit dem zweiten Kaviar, und man glaubt es kaum, aber da sind tatsächlich auch für Laien wie uns deutliche Unterschiede zu erkennen. Der erste, etwa dreimonatige Kaviar war etwas fester vom Korn, hatte ein wunderbares muskatnussiges Aroma, der zweite war etwa sechsmonatig und von der Konsistenz her cremiger, ausgewogener, integrierter und hatte ein tolles nussiges Aroma. Je öfter man die beiden miteinander verglich, desto mehr Nuancen und Finessen kamen zu Tage.
Der Geschmack? Liebe Leser, bitte glauben Sie mir, dieses Geschmackserlebnis, das ich dabei hatte, lässt sich wirklich kaum beschreiben. Es ist der leckerste Kaviar, den ich je gegessen habe, um Welten besser als aller bisher gekannte, unglaublich fein und edel. Wer das nötige Kleingeld dafür hat, ist wirklich gut beraten, wenn er sich während seines Daseins wenigstens einmal eine Dose davon kauft und den Inhalt geniesst. Für mich ein wirklich nachhaltig unvergessliches Erlebnis.
Danke Alexander!
© Yvonne Kunz, 2009