Schwarzes Loch

 

Dass es auf der Erde schwarze Löcher gibt, wurde mir letzte Woche schlagartig klar. Zugegeben, auch ich bin zur Zeit mächtig sensibilisiert zum Thema Urknall und schwarzes Loch. Auch ich mache mir Sorgen um unseren Planeten. Spätestens seit Cern die Röhren mächtig brummen lässt, um sein bahnbrechendes, zum Teil auch umstrittenes Experiment zu wagen, das seit Wochen riesige Wogen der Empörung, Angst oder Hoffnung auslöst. Wieso jedoch komme ich zu der verwegenen Behauptung, so ganz ohne Versuchs-Reihe?

 

Hier die profane Erklärung:

 

Ich befand mich eines morgens im Auto auf der Fahrt ins Geschäft, als ich per Zufall Zeuge eines Phänomens wurde, das mir auch ohne Cern-Technik klar machte, ja, es gibt sie tatsächlich, diese schwarzen Löcher.

Ich gab Gas mit meinem motorstarken Volvo V 70, überholte auf der linken Autobahnspur, als sich plötzlich wie aus dem Nichts ein Gefährt hinter mich schob und unanständig aufrückte. Überrascht blickte ich in den Rückspiegel und erkannte einen silbernen Hyundai, welcher immer mehr andockte. Mensch, dachte ich mir in Stillen, ich fahre ja schon schnell genug. Ich fand dieses Verhalten langsam frech und kniff inzwischen böse geworden meine Augen zusammen, als ich es plötzlich sah, dieses schwarze Loch. Ich sah es ganz genau für den Bruchteil einer Sekunde, dann war es weg. Es zerfiel sofort, anders als von Weltuntergangsjüngern, Hoffnungslosen und Verängstigten prognostiziert, nein, man braucht sich wirklich keine Sorgen zu machen. Dieses schwarze Loch frisst nicht unseren Planeten auf. Was habe ich also für den Bruchteil einer Sekunde weltbewegendes erkennen können?

 

Es war der Raser, der sich vermutlich hinter mir zu langweilen begann und so richtig unanständig gähnte. Ja, ich sah es ganz deutlich. Ein grosses (gigantisches), schwarzes Loch!...

 

 

 

© Yvonne Kunz, 2008